Geschichte und Erbe

Das Comtat Venaissin
und seine besondere Vergangenheit
Päpstliches Hoheitsgebiet (1229-1791)

Region der Kunst und Geschichte
 

Die historische Entwicklung und Arbeit des Menschen haben in der Region Spuren hinterlassen... Die Römer pflanzten Reben, die Griechen Ölbäume... Dennoch waren es die in Avignon und im Comtat Venaissin einige Jahrhunderte lang niedergelassenen Päpste, die der Gegend ihre historische Besonderheit und kulturelle Entfaltung gaben.

Die Bezeichnung VENAISSIN wurde seit dem Hochmittelalter gebraucht, Historiker sind sich über den Ursprung nicht einig: manche vermuten, es stammt von VENDASCA oder VENASQUE ab - einem wichtigen Ort, an dem sich zwischen dem 5. und 9. Jahrhundert Bischöfe aufhielten -, andere beziehen sich auf den Namen AVIGNON, AVINCIUS.

Heute scheint die erste Hypothese gültig zu sein.

Nach der römischen Invasion bauten die Römer Reben und Ölbäume an, Carpentras wurde ein bedeutender Umschlagplatz.
1229 musste der Graf von Toulouse nach seiner Niederlage in den Albigenserkriegen im Vertrag von Paris, den er mit Ludwig IX. schloss, die Grafschaft Comtat Venaissin an den Heiligen Stuhl abtreten.

Das COMTAT VENAISSIN war bis 1791 päpstliches Hoheitsgebiet, danach wurde es Frankreich angeschlossen.
Zur Verwaltung des Gebiets hatte der Papst einen Bischof aus Rom eingesetzt, der mit „Rektor“ bezeichnet wurde.
1320 ließen sich in Venasque, Pernes-les-Fontaines und Carpentras Bischöfe nieder, bis das Gebiet an Frankreich fiel.

Zu dieser Zeit mussten die Päpste aus Sicherheitsgründen Rom verlassen. 1309 ließen sie sich zunächst in Carpentras nieder (Klemens V.), dann in Avignon, wo sie den berühmten Papstpalast errichteten. Sie blieben bis 1432 dort und kehrten dann nach Italien zurück.
Die Grafschaft Avignon war dem Heiligen Stuhl unterstellt und wurde nicht dem Comtat Venaissin angeschlossen. Es gab also zwei Grafschaften: das Comté d‘Avignon und das Comtat Venaissin.
Carpentras war ursprünglich aus der Siedlung des Gallierstammes der Memini entstanden, es wurde später Verwaltungszentrum des Comtat Venaissin.
Die Zeit unter päpstlicher Verwaltung machte Carpentras und das Comtat zu etwas Besonderem.

Die Besonderheit war zweifach, denn die Zugehörigkeit zum Heiligen Stuhl und der Wille der Päpste förderten eine weitere Entwicklung, nämlich die jüdische Präsenz.

Wahrscheinlich waren schon seit der Römerzeit Juden zugewandert. Juden wurden aber auch aus dem französischen Königreich verbannt und durften im päpstlichen Hoheitsgebiet sesshaft werden und ihre Religion ausüben.
Es wurden Ärzte, Geldverleiher und Händler aufgenommen, zurückgewiesen und in speziellen Vierteln- den Carrières - untergebracht, wo sie zur Unterscheidung zunächst den gelben Ring an der Kleidung und später den gelben Hut tragen mussten, bis am 14. September 1791 das Comtat zu Frankreich kam und die Juden aus dem Comtat Franzosen mit allen Rechten und Pflichten wurden.